Größe

Größen gibt es viele und wie im Leben ist dies auch bei Motorrädern so! Die Hersteller bieten zum Glück eine Vielzahl verschiedener Modelle an, sodass eigentlich für jeden etwas dabei ist, was ihn glücklich machen sollte. Dumm nur, wenn man dann etwas kauft was zwar optisch gefällt, aber sich durch die fehlende Probefahrt am Ende als Katastrophe herausstellt. Und ja ich spreche aus der Erfahrung heraus nach über 20 Jahren auf dem Motorrad.

Erstmals kam ich mit dem Größenproblem in den 90. in Kontakt. Meine damalige Freundin, gut und gerne 165cm lang stellte sich vor ein Endurogirl zu sein. Dass das bei der Körpergröße nicht ohne Probleme ablaufen konnte dürfte jedem klar sein und spätestens nach den ersten Probesitzversuchen auf einer Yamaha TT600 und anderen Modellen dieser Serie war klar, wir legen das Adakta. In der Folge wurde sie in Form eines Enduromotors in einer Yamaha SZR660 glücklich, oder auch nicht denn unsere Wege und Leben trennten sich.

Nach dieser ersten Erfahrung wurde ich zwar sensibler, habe aber nichts daraus gelernt denn irgendwann stand ich selbst vor der Situation des Neukaufs und ich fuhr natürlich nicht probe. Das Ergebnis daraus war eine Umbauaktion nach der anderen, Tieferlegung des Fahrwerks, Sitzbankabpolsterung, höhere Schuhe usw. doch der 1050er Tiger wollte einfach nicht passen. Und hier fiel mir auch zum allerersten Mal ein weiterer Punkt der Größe auf, denn nicht nur die Höhe passte nicht auch die Oberkörperverhältnisse waren nicht optimal. Daher war ich auch nicht böse darum als er getauscht vom Hof war und ich mich etwas Neuem zuwenden konnte. Und erneut rutschte das erlebte in den Hintergrund.

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Dann mit Beginn meiner Tätigkeit als Tester fürs Kradblatt kam ein einschneidender Moment, denn nun testete ich ein Motorrad länger als nur eine Runde um den Block und im selben Moment waren all die vergessenen Erinnerungen wieder präsent. Diese kleine Triumph Street Twin mit ihren nur 55PS passte auf Anhieb wie Cinderellas Schuhe, ohne darüber nachdenken zu müssen, welchen Lenker ich zukünftig montieren muss, wer mir die Sitzbank abpolstert oder wie ich das Fahrwerk tieferlege. Eben draufsetzen und wohlfühlen.

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Eine Suzuki SV650 und eine Harley-Davidson Softail Slim weiter kamen mehr Erkenntnisse dazu. Die SV650 passte wie nicht anders zu erwarten sehr gut zu meiner Körpergröße von 170cm, die Harley war wiederum zu groß und hat durch die inaktive Sitzposition den choppertypischen Nachteil der Gewichtsverteilung. Aber das war noch nicht alles, vielmehr wechselte ich kurzerhand dazwischen mal zu einem Supersportler in Form einer Triumph Daytona 955 und die tat vor allem eins, mir weh. Der Tank zu lang und voluminös, die Stummel viel zu tief und weit weg, der Hintern zu hoch und somit eine Genicksteife die keinerlei Freude am Fahren bescherte. Bei Fahrten mit der Suzuki GSXR1000 und vor kurzem gerade erst auf Hondas neuer Fireblade war das nicht viel anders. Und bitte das soll kein Angriff gegen diese Generes sein aber mir schickt das einfach nicht.

Im Testjahr 2016 kam als letzte Maschine dann noch die Honda Crossrunner und somit etwas eigentlich zu Hochbeiniges in meine Garage. Ich dachte schon mei was hast du dir da nur angetan, doch oftmals kommt es anders als man denkt, denn auf den Touren rund um den Lago Maggiore stellte sich dieses technokrat wirkenden Bike als eins der Besten des Testjahres heraus. Der V4 harmonierte perfekt mit dem Fahrwerk und auch die Distanzen und Höhen passten auf Anhieb. Zudem kamen mir das zielgenaue Handling und die aufrechte Sitzpostion sehr entgegen, denn man bekommt dadurch Überblick und Sicherheit in seinem Tun. Also etwas was gerade Anfänger und Wiedereinsteiger beachten sollten, bevor sie ins Geschäft gehen um sich ein Motorrad zu kaufen.

Nach dem Triumph Bobber, der wirklich einzigartig im Design ist, aber leider für meine Körpergröße nicht passt (zu lesen im Kradblatt 06/17) der Suzuki V-Strom 650, die im Vergleich mit der Honda Crossrunner nur Punkte in Sachen Leistung und Verarbeitungsqualität verliert, steht zur Zeit die neue Africa Twin in meiner Garage. Mit ihr hatte ich schon zweimal vorher kurz das Vergnügen, doch fiel mir erst jetzt bei der Königin der Enduros auf was an ihr nicht passt. Ganz genau die Größe und so sehr auch das HABENWILLGEFÜHL da ist, würde ich sie mir nach nun 3 Tagen im Testbetrieb aufgrund dieses Mankos nicht kaufen. Zu groß ist die Gefahr das man sich beim abstellen vertut und der hohe Schwerpunkt dafür sorgt das sie unaufhaltsam fällt. Und auch darüber sollte man sich beim Neukauf bewusst werden.

Warum nun schreibe ich das? Ich möchte ggf. damit dem Einen oder Anderen einen Rat aus meiner Erfahrung geben. Will ihn oder sie dazu anspornen lieber noch ein zweites Mal zu testen bevor ich kaufe. Und speziell für die Anfänger, Wenig Fahrer und Wiedereinsteiger möchte ich sagen, lasst die Finger weg von schweren Choppern, die vielleicht toll aussehen und all zu sportlichen Supersportlern. Motorrad sicher fahren lernt man am besten aufrecht mit einer geraden Lenkstange in den Händen und einem nicht so schweren Gewicht unter sich. Das braucht Zeit doch wenn man es mal kann, dann ist auch der Weg zum eigentlichen Traummotorrad nicht mehr so schwer, vorausgesetzt die Größe passt.

Meins sind übrigens drei, eine SR500, eine TRX 850 natürlich mir geradem Lenker und das beste Tauschgeschäft meines Lebens die BMW R1200R.

In diesem Sinne #LifeisaRide
Torsten Thimm

Bilder von Chris Rausch, Gerhard Rudolph und Torsten Thimm

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