Britstyler Speed Triple 1050 S………….

Mehr als zwei Dekaden ist es her, dass die erste Speed Triple das Band ihrer Produktionsstätte in Hinckley verließ. Schon in seiner ersten Ausgabe wurde der Streetfighter mit dem typisch, dreizylindrigen Herz bestückt. Ursprünglich noch auf der Basis der Daytona 900 aufgebaut, bekam sie ihren bis dato unbekannten Modelnamen als Hommage an die 1938 erschienene Speed Twin. War sie zu Beginn ihrer Karriere als modernes Musclebike ganz vorne mit dabei, bestach sie doch seit jeher durch ein gesundes Maß an Eigenständigkeit. Doch erst mit der 1997 erschienen T509 bekam sie ihre noch heute markantesten Erkennungsmerkmale. Die Doppelscheinwerfer an der Frontpartie, sowie die Einarmschwinge am Heck. Die beiden Augen änderten über die Jahre ihre Form in eine moderne elliptische Gestalt, die zudem mit erscheinen des Modelljahres 2016 um eine Tagfahrlichtlösung erweitert wurde. So möchte man bei Triumph mit eben kleinen Veränderungen den Absatz der Speedy weiterhin auf hohem Niveau halten, denn sie ist bekanntlich eins der Modelle die die Briten wieder dahin gebracht hat wo sie heute sind. Überhaupt hat es ein wenig den Anschein, dass die Briten bisweilen gerne im geheimen arbeiten. Nur nicht zu viele Informationen rausgeben so die Devise ;-). Gegenüber der Vorjahres-Speedy veränderten sie über 100 Bauteile im sowie um den Motor und das Chassis herum und hoben den Zehnfufzischer abgas- und geräuschstechnisch auf die Euro 4 Norm. Damit stehen ab dem Modelljahr 2016 satte 140 PS mit nicht weniger dicken 112 Nm Drehmoment für den Speedpiloten parat. Das wirklich geniale dabei ist aber, dass dieser Leistungszuwachs über das komplette Drehzahlband spürbar verteilt wurde. Damit hat Hinckley es geschafft, gerade im oft genutzten Bereich zwischen 4.000 und 7.000 Umdrehungen noch einmal ordentlich was an Power drauf zupacken. Angesteuert wird das Ganze natürlich über einen modernen „ride-by-wire“ Gasgriff der 5 unterschiedlichen Fahrmodis ermöglicht. Damit die Leistung optimal auf der Straße ankommt hilft eine mehrstufig einstellbare Traktionskontrolle und eine neue Anti-Hopping-Kupplung.

War die Speed Triple zu Beginn ihrer Karriere leistungstechnisch noch ganz vorne mit dabei, könnte sich der Eine oder Andere jetzt an den “NUR“ 140 PS aufhängen. Denn mittlerweile haben die nackten Versionen einiger Mitbewerber zum Teil zwischen 160 und 180 PS zu bieten. Die Skepsis ist allerdings unangebracht und vergeht sehr schnell, wenn man die Chance hat, die Maschine einmal wirklich ausgiebig zu testen. Das Aggregat geht feinfühlig eins zu eins ans Gas. Man könnte fast meinen, dass die rechte Hand mit den Drosselklappen verwachsen ist. Ob im Stadtverkehr, oder im Kurvenjungel der Landstraße, stets überzeugt der Triple mit sauberer Gasannahme und nur ganz geringen Lastwechseln zwischen 3000 und 3500 Umdrehungen. Dies alles wird durch den markanten Sound untermalt, der selbst mit der immer noch hochverlegten Serienauspuffanlage in keinster Weise schmalbrüstig klingt. Sollte dem Tripletreiber das nicht genügen, wird er mit den Arrows aus dem Triumph Zubehör, oder anderen Alternativen des Aftermarket sicherlich glücklich.

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Doch noch einmal zurück zum eigentlichen Fahren! 5 Fahrmodis: Rain, Road, Sport, Track und Rider in Verbindung mit 3 Mappings stehen zur Verfügung. Bei Keinem wird die Leistung des Motors kastriert, sondern lediglich das Ansprechverhalten geändert. Bei den beiden Letztgenannten können zudem individuelle Einstellungen vorgenommen werden wie z.b. das Abschalten der Traktionskontrolle oder des ABS. Triumph hat es aber zur eigenen Sicherheit so eingerichtet, dass der Bordcomputer diese Einstellungen bei jedem Neustart wieder zurücksetzt. Der Wechsel der einzelnen Mods findet via Taster an der linken Lenkerarmatur statt und wird während der Fahrt durch drück des Desselben, das Wegnehmen des Gases, bei gleichzeitigem ziehen der Kupplung aktiviert. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Auf diese Art kann problemlos je nach Lust und Laune des Fahrers der Modus angepasst werden, wobei der Sportmodus auf der Straße eindeutig überwiegt. Das rotzige Verhalten hier passt einfach zur Speed Triple, wie die Faust aufs Auge. Bei der mehrtägigen Testtour durch Frankenreichs Süden, habe ich die verschiedenen Funktion zu schätzen gelernt. Wurden wir wetterbedingt doch mit allem konfrontiert was die Natur so im Frühling zu bieten hat. Zum Glück außer Schnee, den gab es dafür auf den Bergspitzen in der Ferne zu sehen.
Wer gut fährt sollte natürlich auch gut bremsen können. Bei der Engländerin übernehmen das ABS unterstützt, dicke Brembo Monoblockzangen präzise und sehr feinfühlig. Auch auf den zum Teil nassen Passstraßen lies diese Kombination keinerlei Wünsche offen und vermittelte eins ganz besonders, “Sicherheit“. Ebenso gut wie die Bremsen arbeitet das 6 Gang Getriebe, das mit Geschmeidigkeit glänzt. Den nicht vorhanden Schaltassistenden vermisst man hier keineswegs und die Elektronik meistert den Rest unauffällig im Hintergrund.
Geht man nun näher heran fällt einem der stabile, aluminiumgeschweißte Doppelschleifenrahmen mit seinem massiven Lenkkopf auf. Mit seiner knackigen Geometrie trägt seinerseits zur messerscharfen Präzision der Maschine bei. Zudem ist er am fahrfertigen Gewicht von nur rund 214kg und einer möglichen Zuladung von noch einmal 200kg maßgeblich beteiligt. Bei den Federelementen liegt der Unterschied am Buchstaben der Speed Triple die vor einem steht. Die Schwester R wartet mit edlem Schwedengold von Öhlins auf, während meine Testmaschine die Schwester S auf voll einstellbaren Showa-Elementen daherkommt. Wie man sich entscheidet hängt vom eigenen Geldbeutel ab und ob einem die goldischen Sachen plus ein paar weitere Goddies 1700 Euro mehr wert sind. In Frankreich war ich mit dem Showa Arrangement jedenfalls sehr zufrieden. In Verbindung mit dem Fahrwerk waren die werksseitig montierten Pirelli Diablo Supercorsa einem Slick für die Straße sehr ähnlich und genau so verhielten sie sich auch. Klebstoff pur.

Ergonomisch fällt einem beim Aufsitzen auf die Neue auch die Veränderungen an Tank und Sitzbank auf. Dadurch ist die Sitzposition des Fahrers noch direkter über dem Vorderrad als früher arrangiert. Da der Tank jetzt flacher ist, wurde auch der Knieschluss und das Gefühl für das Bike besser. Er fasst nun 15,5 Liter Sprit was bei einem angenommenen Verbrauch von 5,4 Litern (laut Triumph) für gut und gerne 280km Distanz reicht. Der bequeme aber straff gepolsterte Sitz bringt dem Fahrer durch seine Verschmälerung (ca. 20mm) mehr Standfestigkeit auf dem Boden. Die Sozia sollte allerdings bei der Größe des hinteren Sitzbrötchens bei langen Touren leidensfähig und durch die hohen Endtöpfe feuerfest sein. Da der Radstand kurz und die Power der Maschine stark ist, lässt sich eine gewisse Wheelie-Neigung auch weiterhin nicht ganz vermeiden. Die Traktionskontrolle greift jedoch immer sanft ein um die Situation zu entschärfen. Beim flotten Ritt auf den kleinen zum Teil holprigen Straßen durch die Dromeregion ist man mit dem Triple jedenfalls immer souverän, sportlich und sehr komfortabel unterwegs. Damit man dabei den Verkehr hinter sich nicht aus den Augen verliert haben die Engländer am Ende des Lenkers schicke Spiegel montiert. Durch diese Position ist der Rückblick störungsfrei von Ellenbogen und sonstiger Kleidung. Ebenso störungsfrei wie das vor mir verbaute und hinter dem nun serienmäßig verbauten Fly-Screen montierte Cockpit. Es ist glücklicherweise noch immer zwei geteilt bestehend aus einem analogen Drehzahlmesser sowie einem digitalen Tacho mit allerlei netten Zusatzfunktionen. Tankanzeige, Temperaturanzeige, Tripzähler und Uhrzeit sind in dieser Motorradklasse mittlerweile State of the Art. Die Ganganzeige, der Laptimer und die 5 blauen LED’s zum anzeigen des Schaltpunktes, für das ggf. verbrauchsfreundliche Fahren, sind zudem eine nette Ergänzung. Und wo wir schon mal bei bunten Farben sind! In der S Version ist die Speedy in zwei Farbtönen zu bekommen Diablo Red besseres rot gibt es in Italien auch nicht und Phantom Black für die Dunkelliebhaber unter uns. Im Gegensatz dazu kommt die wertigere R Variante mit rotem Rahmen und diversen Carbon-Teilen in Verbindung mit der Matt Graphite Lackierung oder in Crystal White daher. Designtechnisch bleibt beiden gemein die tiefer montierte, kompakter wirkende Frontpartie.

Mein persönliches Fazit nach gut und gerne 3000km mit ihr fällt gut aus. Denn selbst wenn sie auf den ersten Blick nicht danach aussieht, lässt sich damit richtig gut touren. Ein wenig Macho passt aber eben immer noch zu ihr, obschon sie heute erwachsener wirkt und mehr als Gentleman dieser Klasse auftritt. Für 12500 Euro steht die Speed Triple S beim Händler und wartet auf ihren Liebhaber. Die R Variante gibt es für 14200 Euro und auch sie wartet. Tolle Bikes sind es Beide…… 🙂

Gruß Torsten Thimm und #LifeisaRide

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1 Comment

  1. Als ehemaliger Triumph-Fahrer lese ich solche Erfahrungsberichte sehr gerne. Die Speed Triple ist dabei in der Tat das einzige Modell von Triumph, das mich – nach meinen Erfahrungen – immer noch anspricht.

    Persönlich würde ich mir ein längeres Heck wünschen – aber das ist leider der aktuelle Trend und fast bei keiner Marke mehr zu bekommen.

    Wunderschöne Location habt Ihr Euch ausgesucht, in dem Felsentor stand ich auch schon voller Stolz 😉

    Danke für den Bericht, ride on!!

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