The last Big Ones

Damit sind die Honda CB 1100 RS und die Klassikschwester, die EX gemeint. Beide sind die letzten Überlebenden der rein luft/ölgekühlten Reihenvierzylinder am Markt. Während andere Hersteller ihre Big Fours mit der Einführung der Euro 4 Norm endgültig sterben liesen, folgte Honda einmal mehr seiner CB Vergangenheit.

Was dabei heraus kam kann sich sehen und vor allem auch fahren lassen. Denn obschon der sportlicheren Sitzposition, die klassische Linie wurde mit der RS nicht zerstört, sondern einfach neu interpretiert. Der mit 1140 ccm große Motor bildet den zentralen Punkt am Bike und reckt frech seine filigranen Kühlrippen in den Fahrtwind. Dabei sind die 90 PS Leistung in Verbindung mit den 91NM Drehmoment, die der Motor bei 5500 Umdrehungen erreicht keineswegs untermotorisiert.

Ganz im Gegenteil sogar, hat man sich einmal auf den Crusingmode eingestellt, wird das Leben auf diesem Motorrad leicht, freundlich und vollkommen entspannt. Die RS rollt einem Schienenbus gleich mit ihren 17 Zöllern durch die Kurven. Freundlicherweise hat man bei ihr die aktuell beliebten Standardreifengrößen in 120 und 180 montiert. Das öffnet das Feld für viele Alternativen in Sachen Reifenwahl je nach Gusto des Fahrers. Ist man erst einmal mit ihr unterwegs ist auch von den 255kg Lebendgewicht nicht mehr viel zu spüren ist. Während die Landschaft am Helmvisier vorbei gleitet, fallen die Blicke des Fahrers immer mal wieder auf die Zeiger der klassischen Rundinstrumente. Ja hier gibt es sie noch, wenn auch in der Mitte durch ein Digitaldisplay geteilt. Das informiert zusätzlich über die Uhrzeit, die man gerne mal auf der CB vergisst, den eingelegten Gang, die gefahrenen Kilometer und den noch zu Verfügung stehenden Treibstoff im Tank. Anders als die mittlerweile oftmals verbauten und zumeist schnöden Volldisplayanzeigen hat das hier vor einem noch Stil.

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Den wirklich modernen Weg geht Honda dagegen bei der Lichttechnik der RS. Die sieht zwar klassisch aus, besteht aber komplett aus modernster LED Technik. Weiter oben am linken Lenkerende zeigt der Behälter, dass hier hydraulisch und ab Modelljahr 2017 mit Antihoppingfunktion gekuppelt wird. In Verbindung mit dem gut zu schaltenden Getriebe, dessen sechster Gang als Overdrive ausgelegt worden ist, wächst das grinsen unterm Helm noch einmal wenn es durch enge Passagen geht. Auch hier fühlt sich der Fahrer in keiner Situation überfordert, selbst wenn er den Gashahn mal etwas zu viel aufspannt. Die radial verschraubten Tocikozangen beißen ABS unterstützt, sehr gut dosierbar in die 310er Scheiben und sorgen so für vehemente Verzögerung. Und auch auf Straßen der Klasse Fifty Shades of Grey, macht die Honda eine gute Figur, da das Fahrwerk mit den einstellbaren Doppelfederbeinen am Heck und der ebenfalls einstellbaren 43mm starken Telegabel an der Front, stets die Contenance behält.

Die behalten auch 2/3 der Piloten, wenn der Boden mal nicht ganz akkurat ist. Denn mit 795mm ist die Höhe für die meisten passend und durch die tief verbauten Fußrasten, auch für große Menschen geeignet.
Die Unaufgeregtheit dieser Maschine ist es dann auch, die einen in den Bann zieht. Vielleicht einmal abgesehen von dem etwas zu schmalen Lenker, sowie dem anders positionierten Hupenknopf, dort vermutet man eigentlich den Blinkerschalter, was am Anfang zu Irritationen führen kann, gibt es am Ende einer ausgedehnten Tour nichts zu meckern. Alles fügt sich im CB Konzept zusammen und bekommt mit der enganliegenden, nun doppelwandig und verchromten vier in zwei Auspuffanlage noch sein glänzendes Krönchen. Während die heiße Maschine knisternd abkühlt, so wie das nur ein alter luftgekühlter Motor tut, liegt immer ein wenig CB 750 Four aus der Vergangenheit in der Luft.

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Wem zu guter Letzt die RS nicht klassisch genug ist, der kann sich die EX-Schwester anschauen. Anders als die RS kommt die auf 18 Zoll Speichenfelgen daher mit einer noch klassischeren Sitzposition. Zudem dürfte sie handlicher zu fahren sein, da sie mit 110 und 140er Reifen schmäler bestückt ist. Ansonsten unterscheidet sie sich durch die etwas schwächere Gabel mit 41mm Durchmesser und einfache Nissen Bremszangen, die in 296mm Scheiben beißen dürfen. Motortechnisch sind beide Maschinen jedoch identisch und stehen beim Hondahändler zum Test bereit. Für die RS sollte der zukünftige Besitzer gut 13190 Euro in der Tasche haben, für die EX etwas Günstigere 12790 Euro. Das ist sicherlich kein Schnäppchen, dafür bekommt man in beiden Fällen viel Motorrad und einen ausgereiften modernen Klassiker mit hohem Spaßpotential.

In diesem Sinne #LifeisaRide.
Torsten Thimm
Bilder Honda Deutschland, Gerhard Rudolph (Gasgriffsalat) und Torsten Thimm

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