Just Fish, No Chips……………

so klar definieren konnte man dies 1991 mit dem Erscheinen der Yamaha TDM 850 nicht, denn den Ausdruck Crossover oder SUV kannte man damals noch nicht. Yamaha erfand also damals in der Tat eine neue Motorradklasse, deren Ableger heutzutage bei jedem Hersteller im Programm zu finden sind. Ja mehr noch, aus Fertigungs- und Kostengründen wird bei einigen Modellen dieser Spezies sogar der Reihenzweizylinder in verschiedenen Hubzapfenversatz Varianten verbaut, den die TDM damals schon hatte. Anders als im vierrädrigen Bereich, sind diese zweirädrigen Zwitter jedoch keine sinnlosen Spritvernichter und eher unnützen Fahrzeuge. Nein vielmehr sind sie zumeist echte Alleskönner und sogar oftmals besser als so manch ein klassischer Tourer und flinker als so manche Rennmaschine.

Zu diesem Crossoverkonzept gehört unter anderem auch Hondas Crossrunner, den ich ausgiebig am Lago Maggiore testen konnte. Optisch bietet dieses Halbschnabeltier (so meine Carmen), sportliche Züge, eine schicke Einarmschwinge und als state of the Art eine LED Vollausstattung als markante Beleuchtung. Weitere Feinheiten sind unter anderem der Schaltassistent, sowie das aus der VFR 800 bekannte und mit V-Tec ausgestattete V4 Triebwerk. Das öffnet ab 6500 Umdrehungen seine zweite Ventilpaarung und macht so aus dem Zwei- ein Vierventiler. Damit ist nicht nur klanglich Feuer im 106 PS starken Kessel angesagt. Es schiebt vehement voran bis bei 11500 Umdrehungen der Begrenzer dem Spiel ein Ende setzt. Eingefangen wird dieses Feuer bei Bedarf wiederum über die gut dosierbare und mit Integralsystem ausgestattete 4 Kolben Bremsanlage. Das die über ein ABS verfügt dürfte jedem klar sein. Die 2 stufige und auf Wunsch deaktivierbare Traktionskontrolle rundet das Technikpacket ab. Und wo wir hier schon gerade bei den Knöpfen und Schaltern sind! Die Armaturen sind übersichtlich, die Qualität überzeugt, wie auch die serienmäßig einstellbaren Handhebel. Hier könnte sich manch anderer selbst benannter Premiumhersteller eine bis drei gute Scheiben abschneiden, wenn man in den direkten Vergleich geht.

Technik hin, fahren her, im Hinterland des Lago blinkt dann auch schon ein ums andere mal die Traktionskontrolle beim herausbeschleunigen, denn die Bedingungen sind alles andere als perfekt. Die Eingewöhnungszeit auf dem Runner indes ist eher kurz, denn der Lenker ist breit und liegt gut in der Hand. Mit dem fein austarierten und voll einstellbaren Fahrwerk lässt sich zudem flink um die Ecken wieseln. Durch diese Handlichkeit, fliegt die Natur daher trotz der Straßenverhältnisse leider erst einmal recht zügig an uns vorbei. Doch als Gegensatz dazu gibt es durchaus auch ruhigere Abschnitte und einen gewissen Grad an Offroadeigenschaften lässt der Crossrunner ebenfalls ohne weiteres zu. Hier steht ihm allerdings auf Dauer das Gewicht und der Breite 180er Hinterradreifen im Weg. Ein Spaß war es trotzdem, denn wann hat man in Deutschland schon einmal einen kilometerlangen Waldweg ganz für sich alleine auf dem man offiziell spielen kann? Am Abend ist der Respekt meiner Kollegen jedenfalls deutlich spürbar, hatten sie doch dem kleinen 800er Herz diese Performance anfänglich nicht so recht zugetraut. Einer Erkenntnis mit der wir für diesen Abend schließen und schlafen gehen.

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Der folgende Herbstmorgen beginnt frisch und als wir nach dem Frühstück starten, kommt auch die erste Eigenart, manch einer würde es Charakterzug nennen, des V4 zutage. Solange er seine Betriebstemperatur nicht erreicht hat, nimmt er das über Seilzüge betätigte Gas ein wenig ruppig an. Ist man allerdings über diesen kritischen Punkt erst einmal hinaus läuft er geschmeidig und konsumiert mit runden 5,3 bis 5,9 Liter Sprit einen durchaus akzeptablen Wert. Da wir an diesem Tourentag über den Simplon in der Schweiz unterwegs sind und die drakonischen Strafen der Schweizer Behörden fürchten, gilt hier sowieso der untere Verbrauchswert. Leere Straßen und imponierende Bergwelten ziehen am Furka, Grimsel, Gotthard und der Tremola an uns vorbei untermalt von der mittlerweile wärmenden Herbstsonne. Es ist alles ein wenig überraschend, denn immerhin sind wir hier auf ordentlichen Meereshöhen unterwegs. Und dann passiert das was ich nicht erwartet hätte, denn ähnlich romantisch wie sich das liest, fährt sich der Runner heimlich, still und leise in mein Herz. Richtig erklären kann ich es nicht, denn er versprüht nicht den Charme eines klassischen Motorrades. Auch ist er keine Superbergziege wie zum Beispiel eine KTM 1290 oder eine Ducati Multistrada. Was er tut das es sich so anfühlt ist… Er funktioniert einfach tadellos, wie ein schweizer Uhrwerk und ist damit der treue Begleiter auf allen Wegen. Dabei erweist sich der montierte Schaltassistent als echtes plus, denn er unterstützt beim raus beschleunigen und hochschalten aus den zumeist engen Kehren ganz selbstverständlich. Da das runterschalten nicht über ihn funktioniert sollte man vor der nächsten Kurve frühzeitig die Hand an die hydraulische Kupplung haben und runterschalten um sauber den nächsten Knick zu bekommen. Auf diese Art und Weise vergeht dieser Tourentag mal wieder viel zu schnell und endet im aufkommenden Dunkel des Abends, als wir im hellen LED Lichtschein des Crossrunners wieder in der Unterkunft ankommen. Um diese Zeit ist auch das digitale Display einmal absolut störungsfrei zu sehen. Denn wie die meisten dieser multifunktionalen Geräte hat auch Dieses im wandernden Sonnenschein hier und da seine Reflektionen und optischen Nachteile gegenüber alt bewerten klassischen Uhren. Auf der anderen Seite wären jedoch viele klassische Uhren nötig, um alle Funktionen so darzustellen. Tank, Temperatur, Verbrauch, Außentemperaturanzeige, zwei Trippzähler, die fünf stufige Griffheizung und auch die Uhrzeit gibt es auf den ersten Blick her. Dazu reihen sich im Gehäuse diverse Kontrolllämpchen nebeneinander auf, was beim betätigen des Zündschlüssels ein wenig den Eindruck eines erleuchteten Christbaums erweckt. Schade nur das man die Funktionen umständlich über Taster am Cockpit abrufen muss und nicht über die Lenkeramatur steuern kann. Mit dem abendlichen Glas italienischen Chianti endet dann auch dieser Tag im tiefen Dunkel der Nacht.

Beim öffnen des Fensters am folgenden Morgen lacht uns die Sonne erneut entgegen. Dampfend trocknet sie den Morgentau auf den Maschinen. Mittlerweile sind der Runner und ich zu einer Einheit verschmolzen und ich tat gut daran die untere der beiden zur Verfügung stehenden Sitzeinstellungen zu wählen, da 815mm Höhe grade hoch genug für mich sind. In der oberen Stufe sind es noch einmal 20mm mehr was auch geht, dennoch Standfestigkeit ist alles. Die heutige Tour führt uns ins Val Formazza und zu seinem mächtigen Wasserfall. Bei der Ankunft dort wird uns aber klar das außer einem Rinnsal leider um diese Jahreszeit nicht sehr viel übrig ist. Dafür bietet das Tal pure und vor allem energiegeladene Schönheit. Die beginnend herbstliche Natur, der blaue Himmel und die Sonne spielen hier abseits des Trubels ihr ganz eigens Spiel und setzen die Honda geradezu perfekt für die Bilder in Szene. Ich nehme mir noch einmal Zeit für die Details, wobei mir die gute Verarbeitungsqualität der Verkleidungsteile ins Auge fällt. Ebenso gut und ordentlich sind die Kabelstränge verlegt und auch unterm Soziussitz ist alles schick verstaut, inklusive der 12 Volt Steckdose. Geht man weiter um die Maschine herum, fällt natürlich die mächtige Einarmschwinge auf, aber auch leider das Heck. Hier muss ich gestehen, habe ich das Gefühl, dass den Designern die Ideen ausgegangen sind, denn es wirkt pummelig und passt so gar nicht zur sportlich designten Frontpartie. Ein weiterer für mich nicht verständlicher Kritikpunkt sind die fehlenden Gabelschützer, welche ich bei einem Zweirad in dieser Klasse und für über 12000 Euro Anschaffungspreis genauso erwarte wie ein variabel einstellbares Windschild, das ihm leider auch fehlt. Das linke Standrohr hatte bei dieser Testmaschine nach knapp 10000km auch schon erheblich gelitten. Das war es aber auch schon an Kritik meinerseits, und auch die Herrn Kollegen hatten weiters keine negativen Punkte mehr bei ihren Begutachtungen an der Maschine gefunden. Mit diesen Erkenntnissen und einigen wirklich schönen Bildern fuhren wir dann auch zurück und erreichten an diesem Tag unser Agritourismo sogar einmal im hellen.

Auf diese Art vergingen nach und nach die Tage am und um den Lago Maggiore und der Urlaub neigte sich dem Ende zu. Was am Ende eines solchen Testes immer bleibt, ist eine Resümee dessen was wir erlebt haben. Landschaftlich auf jeden Fall ein dickes Plus und eine Ecke der Welt die man einmal gesehen haben muß. Besonders Bellagio das wir am letzten Tag noch anfuhren, sollte der interessierte Reisende auf dem Plan haben, gerade auch wenn man gerne einmal bummeln möchte. Motorradtechnisch war der Crossrunner die richtige Wahl. in der Tat fuhr er sich in mein Herz und ist meines Empfindens nach ein vom Markt sehr unterschätztes Motorrad. Was ihm sehr gut stehen würde, wäre das von Honda angebotene DCT Getriebe. Dafür ist aber wohl die Gesamtkonstruktion das alten VFR Motors einfach etwas zu alt. Ob V-Tec noch zeitgemäß ist und ob man es braucht, ist eine Einstellungssache! Mir jedenfalls hat der Punch gefallen, wenn ich ihn mal wirklich gebraucht habe. Um ganz ehrlich zu sein war das aber bei den Gegebenheiten rund um den See und die engen Straßen eher selten der Fall. Am besten hilft wie immer einfach selber mal testen und erfahren, denn ich bin mir sicher dem einen oder anderen wird es genauso ergehen wie mir. Der Runner rennt mitten ins Herz.

Beste V4 Grüße und Lifeisaride…..
Torsten Thimm

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