Yamaha Niken Ride THE Revolution

Vorwort

Es ist nun schon einige Jahre her das mein Vater mich, als kleiner Bub auf die Bretter der Skiwelt stellte. Am Anfang eher schlecht als recht lernte ich das Skifahren aber doch relativ zügig und im Laufe der Zeit vor allem als Hobby auch lieben. Was mir hingegen anfangs immer etwas Probleme bereitete waren die ewig langen Ski, denn spätestens am Mittag bei sulzigem Schnee, wars mit der Eleganz auf den Brettern zu Ende. Das änderte sich erst mit dem Erscheinen der ersten Carving Ski. Auf einmal ging alles auf der Piste leichter. Ich fuhr wesentlich kontrollierter und sicherer, sodass nach einem mehrtägigen Test mit den Carvern für mich klar war, ich will diese Innovation haben. Genau so offen für Neues wie damals, stand ich dann auch auf der Eicma 2017 zum ersten Mal der Yamaha Niken gegenüber und bildete mir, zuerst noch unwissend ein, hier einen Carving Ski für die Straße zu sehen. Keine Ahnung wie ich darauf kam, aber wie sich später bei den ersten Teaservideos von Yamaha herausstellte, lag ich mit meinen Gedanken nicht falsch und meine Neugier auf das Konzept war fortan geweckt.

Yamaha Niken

Es ist schon ein großartiges Gefühl, wenn du morgens um halb neun noch leicht verschlafen aus der Hotellobby kommst und vor dir aufgereiht eine Horde von 30 japanischen Triples ihr Stakkato zum Besten geben. Ja genau der aus der MT09 und Tracer 900 bereits bekannte CP3 Motor mit 847ccm, 115 PS und gut 88 Nm Drehmoment treibt auch den neuen Multi Wheeler Niken an. Natürlich gehört bei einem solchen Premiumprodukt auch das komplette Elektronikpaket mit zur Ausstattung dazu, dass neben ABS und zweistufiger Traktionskontrolle, auch über einen Tempomat, drei Fahrmodi und einen Quickshifter (ohne Blibberfunktion) verfügt. Zubehör gibt es ebenfalls bereits in geringen Maßen, jedoch bleiben die Japaner zurzeit noch ein Touringpaket, in Form von Koffern und Topcase, sowie einer hohen Scheibe schuldig. Dies sollte sich jedoch bis zur offiziellen Markteinführung im Herbst 2018 noch ändern. Basierend auf dem Heck der MT09 sind 195 kg Zuladung möglich, sowie ein ausgesprochen bequemer Soziusplatz mit angenehmen Kniewinkel. Das digitale Cockpit indes liefert alle notwendigen Daten und Infos und ist trotz schwarz-weiß Darstellung stets gut ablesbar. Auch die LED-Vollausstattung in Sachen Beleuchtung lässt keinerlei Wünsche in Sachen Ausleuchtung und vor allem Sichtbarkeit offen. 45 Grad Neigungswinkel gibt Yamaha für dieses revolutionäre Konzept an und die gilt es nun heute zu erfahren.

Spassfunder rund um den Glockner

Die komfortable Sitzposition in 820 mm Höhe lädt zum langen Touren ein und mit einer Reichweite von 300 km, denn die ist mit den 18 Litern Sprit im Benzinfass durchaus möglich, hat man einen Tourer parexellence an seiner Seite. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, so ca. 5 Minuten, stellt sich sehr schnell ein sportliches Tourenfeeling ein und obwohl die Front, ähnlich wie bei einer BMW mit Telelever, etwas entkoppelt wirkt, fühlt man sich als Fahrer bereits auf den ersten Metern sicher. Dienen die ersten Kurven auf der abtrocknenden Fahrbahn allen noch ein wenig zum Ausloten der Schräglage und Reaktion von Fahrwerk und Maschine, verfliegen die letzten Zweifel am Konzept doch sehr schnell und spätestens bei der Auffahrt zum Großglockner ist klar, dass das heute ein unvergesslicher Tag werden wird. Die Sonne hat sich durch die Wolken gekämpft, die Berge strecken ihre weißen Schneespitzen in den blauen Himmel, der Asphalt ist mittlerweile trocken und wir können angasen. Sauber zieht der Triple aus dem Drehzahlkeller heraus, pusht uns den Hang hoch und von Kurve zu Kurve, geradewegs hinein in das prophezeite Carvingfeeling der Niken, das Yamaha als ,,Carve with confidence‘‘ bezeichnet. Hätte ich einen Lederkombi mit Knieschleifern dran, sie kämen mit Sicherheit bei der einen oder anderen Kurve, spätestens jedoch bei den ersten Fotofahrten zum Einsatz. Da dies aber nicht der Fall ist und ich so was auch gar nicht besitze, schreien einfach nur die Fußrastennippel um Hilfe und langsam aber sicher verschwindet im Funkenflug die Kugel an deren Ende. Dabei fährt sich das Motorrad mit seine 15 Zoll Vorderrädern so spielerisch leicht und einfach, dass genügend Zeit ist, um die faszinierende Landschaft um uns herum in vollen Zügen aufzusaugen und zu genießen. Der verbaute Quickshifter unterstützt dabei den Vorwärtsdrang, da das kuppeln, mit dem leider nicht einstellbaren Kupplungshebel wegfällt. Gedanken gehen mir durch den Kopf und beinahe automatisch komme ich zu der Frage, was wäre Niken, in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe DCT von Honda. Doch es bleibt nur ein kurzer Gedankengang, denn auf der Edelweißspitze angekommen, sind wir schnell das Gesprächsthema und der Großteil der Bikerkollegen dort oben, ist sowohl verwundert, als auch furchtbar neugierig darauf wie sich so ein Dreirad wirklich fährt. Die Verwunderung steigt als sie von uns erfahren, dass es nicht anders funktioniert wie jedes gewöhnliche Motorrad auch. Selbst die größere Masse an der Vorderhand ist aufgrund des Konzeptes nicht gravierend spürbar. Die Blicke wandern neben den vielen gestellten Fragen um das Motorrad herum und vor allem hin zur vorderen Radführung und Aufhängung, die auf dem sogenannten Ackermannprinzip beruht. Wer mit dem Begriff nichts anzufangen weiß dem sei gesagt. Bei Niken funktioniert die Lenkung genau nach dem gleichen Prinzip, wie bei einem Auto, wobei die beiden hinteren Gabenholme des Frontend einstellbar sind und die Hauptlast der Dämpfung übernehmen, die beiden vorderen Rohre stabilisieren und mit in die Dämpfung integriert sind. Hinten arbeitet ein über Handrad einstellbares Federbein, was die Anpassungen an verschiedene Beladungszustände einfach und schnell vonstattengehen lässt. In der Praxis arbeitet das gesamte System so genial, dass wie schon gesagt Vertrauen keine Frage ist und Niken im Scheitel einer Kurve schneller zu fahren ist, als ein konventionelles Motorrad. Auf diese Art mit Fahren, Fotoshooting und Cappuccino vergeht der aufregende Vormittag sehr schnell und nach dem Mittagessen, geht es über die Felbertauernstraße wieder zurück in Richtung Kitzbühel. Haben wir es bis dato geschafft die aufkommenden Regenwolken einigermaßen zu umcarven, trifft uns eine Schwade ca. 45 km vorm Ziel mit voller Härte. Der Regen prasselt auf einmal wie aus tausenden Gießkannen hernieder und schnell füllen sich die Straßen mit Wasser. Die Yamaha reagierte darauf eher entspannt, denn auch hier punktet das neue Konzept der beiden vorderen Räder durch Spurstabilität und Gelassenheit. Während man bei einem normalen Bike auf regennasser Fahrbahn und in Kurven eher mal das Gas zurücknimmt, um nicht abzuschmieren, ist die Reaktion von Niken ein im Kurvenausgang gefühlt leichter werdendes Heck, das über die Tracktionskontrolle immer wieder sauber eingefangen wird. In Stufe eins blink dabei das Lämpchen im Cockpit recht wenig, in Stufe zwei dürfte es mehr sein, was ich allerdings aufgrund des Regens nicht mehr probiert habe. Äußerlich durchweicht, endete diese Testtour jedenfalls nach 260 km wieder am Hotel und an den Reaktionen der beteiligten Pressemannschaft aus England, Deutschland und der Schweiz, erkennt man deutlich wie gut die Japaner dieses Konzept umgesetzt haben. Jeder hat ein Lächeln im Gesicht und auf der anderen Seite auch Fragezeichen, warum kein Hersteller früher auf die Idee gekommen ist, so etwas zu bauen. Schwer beeindruckt und um eine positive Erfahrung reicher endet dieser Testtag und der erste, aber sicherlich nicht letzte Kontakt für mich zur Yamaha Niken.

Fazit
Niken ist anders und man will auch gar nicht den Geschmack jedes Einzelnen damit treffen. Zudem lässt sich über Geschmack bekanntlich immer vortrefflich diskutieren, was dazu führt das die Maschine egal wie ein Gesprächsthema ist. Und das ist sie meiner Meinung nach mit gutem Recht, denn das Erlebte hat sich eingebrannt, ja es hat sogar ein wenig geprägt und dazu geführt nachzudenken. Sicherlich wird sie konventionelle Maschinen weder ersetzen noch ein absolutes Massenprodukt werden. Vielmehr wird Niken das sich im Übrigen aus dem japanischen Ni (Nei gesprochen) und Ken zusammensetzt und soviel wie zwei Schwerter bedeutet, für Menschen und Biker da sein, die offen für etwas Neues sind, die Monotonie des Motorradmarktes satthaben und die Individualismus leben und mögen. Eben diesen Menschen wird für 14995 Euro ein Motorrad von Yamaha angeboten, das den Namen Spaßmobil wahrlich verdient hat und zudem ausschließlich mit dem großen Motorradführerschein gefahren werden darf. Und allen Zweiflern sei zum Schluss noch gesagt, nehmt die Chance wahr einmal damit zu fahren, wenn ihr sie bekommt. Ich könnte mir vorstellen das auch ihr das Grinsen unterm Helm nicht mehr verliert.

Niken in Aktion

Technische Daten
Motor: 3-Zylinder DOHC Motor wassergekühlt und mit 4-Ventiltechnikt
Hubraum: 847ccm
Bohrung: 78,0mm x 59,1mm
Kompression: 11,5:1
Leistung: 84,5 kW gleich 115 PS bei 10000U/min
Drehmoment: 87,5 Nm bei 8500U/min
Kupplung: Nasssumpfkupplung
Getriebe: 6 Gang Schaltung mit Quickshifter

Fahrwerk
Vorderrad: 410mm Distanz (keine Zulassung für Autoführerschein)
Rahmen: Stahlgitterrohrrahmen
Federung: vorne doppelt USD Gabel, hinten Zentralfederbein
Bremse vorne: Eine Scheibe pro Rad (265,5mm) und 4 Kolbensättel
Bremse hinten: Eine Scheibe (298mm) 2 Kolbensattel
Reifen vorne: 120/70 R 15
Reifen hinten: 190/55 R 17

Masse
Länge: 2.150 mm
Breite: 885 mm
Höhe: 1.250 mm
Sitzhöhe: 820 mm
Gewicht: 263 kg mit allen Flüssigkeiten
Tank: 18 Liter
Öltank: 3.4 Liter

Farbe
ausschließlich Graphite.

Die Niken kann nur über das Yamaha eigene Onlineportal reserviert und bestellt werden. Zu finden auf der Yamaha Homepage http://www.yamaha-motor.eu/de/.
Schöne Grüße und denkt dran Lifeisaride
Torsten Thimm

Ich wurde ausgestattet von der Firma Germot http://www.germot.de
Motorradkombi: Marke Germot Challanger
Helm: Caberg Droid
Schuhe: Falco Avantour Evo Stiefel

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