Der Weg zum Monte Grappa Eine Roadstory 2019

Intro

Da ist er also der 50. Bericht auf WordPress und es ist ein guter für die Seele und Geist wie ich finde. Viel Freude beim Lesen, miterleben und Bilder genießen. 🙂

Rolf Henniges und seine Geschichte waren es, die mich vor ein paar Jahren schon über diesen Berg als Reiseziel haben nachdenken lassen. Ein lohnendes Ziel tatsächlich, doch eher des monumentalen Ausblicks wegen, denn wegen einer Flasche Grappa, die bei Rolf mehr im Mittelpunkt der Geschichte stand.
Oder irre ich mich hier gerade und es stand am Ende etwas ganz anderes für unser beider Touren im Mittelpunkt?

Der Start
Für Hartmut meinen Begleiter und mich jedenfalls ist von Beginn an der Weg das Ziel und so starten wir mit unseren beiden Bikes Anfang Juni gen Süden. Feierlich von unseren Frauen verabschiedet (die froh waren, dass sie mal ne Woche ihre Ruhe hatten) geht es zuerst durch den in Frühlingsfarben erwachten Odenwald. Über Walldürn folgen wir dem Duft der leuchtenden Rapsfelder durch die Mittelgebirgsausläufer auf zumeist schmalen, aber gut ausgebauten Straßen in Richtung Crailsheim und weiter bis nach Dillingen an der Donau. Während Hartmut den bequemen Sitz der Kawasaki Versys 1000 SE für sich hat, ist es für mich in diesem Moment ein echter Vorteil, dass er noch Raucher ist und so hin und wieder eine Pause auf unserem Weg dadurch dringend nötig ist. Denn obwohl beide Maschinen, also auch die Honda CB1000R die ich fahre, gut gewählt sind wünsche ich mir hin und wieder meine bequeme R12R herbei. Das Sitzbrötchen der CB1000 ist nämlich straff gepolstert und auf langen Etappen wird’s zeitweise unbequem. Doch die Landschaft und auch die kleinen Orte, die wir an diesem Tag durchqueren machen, das alles wieder wett. Und so landen wir am Abend nach einer sensationellen Talfahrt durchs Oberjoch in Bad Hindelang wo wir im Hotel Sonneck erst einmal entspannen. Nach einem ausgezeichneten Abendessen packen wir noch einmal die Karten aus und machen uns daran den nächsten Tourtag zu planen und ins Navi zu tickern. Der soll uns eigentlich nach Arabba bringen, doch wie so oft kommt es anders als man es sich vorstellt.

Es kommt anders, als gedacht
Der Morgen kommt wie immer früher als erwartet und mein Freund ist von Natur aus Frühaufsteher. 4.30Uhr ist für ihn kein Problem, für mich hingegen schon und so bin ich froh, dass das Frühstück erst um 8.00 Uhr eröffnet wird. Danach packen wir uns allerdings zeitig zusammen, beladen die Maschinen und bekommen beim Zahlen vom Wirt den entscheidenden Tipp des Tages…….

Ihr wisst scho, dass das Hahntennjoch geschperrt is ge?

Ja nee bis zu diesem Moment wussten wir das nicht, denn solange ich dort unterwegs bin, war es das um diese Zeit noch nie. Diese Information lässt uns in kürzester Zeit eine komplette Planänderung im Kopf und auf dem Navi durchführen. Also geht es nun zuerst über den Fernpass nach Küthei eine Ecke, in der ich zuletzt in meiner Kindheit einmal mit meinen Eltern war. Einsam und einfach traumhaft ist der Weg nach oben zum Stausee und so schön, dass wir beschließen das Picknick vorzuziehen. Danach rollen wir an den Urlaubsorten meiner Kindheit vorbei. Axams, Natters und Mutters und weiter hinunter durch Innsbruck hindurch, denn auch die alte Brennerstraße ist an diesem Tag für den kompletten Verkehr gesperrt. Doch wir finden unseren Weg auf der rechten Inn Seite auf wiederum kleinen Straßen bis Maurach ostwärts, um dann in Richtung Zillertal und Gerlospass gen Süden abzubiegen. Durch einige Fotostopps und die vielen kleinen Behinderungen, die dieser Tag für uns bereitgehalten hat, ist es mittlerweile Abend geworden und so finden wir im Abelhof in Neukirchen eine passende Unterkunft für die folgende Nacht. Doch zuvor genießen wir ein tolles Abendessen bei einem sensationellen Lichterspiel, in dem die untergehende Sonne und die Berge die Hauptrolle vor uns spielen.

Südtirol das Land der Sinne
Die Sonne ist bereits über dem großen Venediger aufgegangen, als der Duft von frischem Backwerk und Kaffee durch die Hotelgänge schleicht. Zeit also dem Tag Flügel zu verpassen und das heutige Tagesziel in Angriff zu nehmen. Unsere beiden Begleiter jedenfalls scharrten gefühlt schon mit den Reifen, als es endlich losgeht. Über den Felbertauern führt uns die heutige Route hinunter bis nach Huben und dann geradewegs hinauf zum einsamen Staller Sattel. Dessen See zeigte sich noch im winterlichen Nachtgewand, während der Frühling auch hier langsam Einzug hält. Mit jedem Meter, den wir auf der anderen Seite tiefer ins Pustertal eintauchten, wird es dann auch wieder wärmer und dem ersten südtiroler Cappuccino steht daher recht schnell nichts mehr im Weg. Die Bergwelt drumherum und der türkis schimmernde See im Vordergrund bieten zudem dazu die perfekte Kulisse. Noch einmal checken wir die Pässe auf dem Handy und müssen erneut wegen der bestehenden Wintersperren umplanen. Das Würzjoch ist daher unser nächstes Ziel bevor wir über Lajen, Wolkenstein und den Pordoi nach Arabba gelangen. Diese mächtige Bergwelt zieht jeden deiner Sinne in ihren Bann und man muss schon gehörig aufpassen, dass in Anbetracht der Kurven die Gashand nicht zu forsch ans Werk geht. Und hier sind auch die Könige der Kurven zu finden, denn Spitzkehren fahren will gelernt und gekonnt sein. Arabba zeigt sich indes etwas mürrisch und der einsetzende Regen lässt uns recht schnell eine Unterkunft aufsuchen. Mit dem Hotel Eualdo ist das zwar nicht gerade die günstigste Variante, dafür aber die mit dem ausgefallensten Essen und Frühstück der gesamten Reise. Und vorab dieses Frühstück haben wir in der Tat auch wirklich nötig, wie der folgende Tag uns zeigen wird.

Der Weg zum Berg
Von Regen war an diesem Morgen erst einmal nichts mehr zu sehen, dafür strahlte die aufgehende Sonne die Bergspitzen vor uns in schönstem rot an und verbrannte nach und nach den noch im Tal stehenden Dunst der letzten Nacht. Eine mystische Szenerie, die diesen Tag prägen wird. Das Ziel heute ist der Monte Grappa und der Weg dorthin führte uns erst einmal talwärts. Doch was ist hier eigentlich rund um uns geschehen? Ich kenne die Gegend vom Vorjahr aber das, was sich vor uns auftut sieht, aus als ob hier ein Meteorit eingeschlagen wäre. Die Bäume rund um uns sind umgestürzt oder sprichwörtlich abgebrochen wie Streichhölzer. Ehemals schützende Wälder sind praktisch über viele Kilometer nicht mehr vorhanden. Und das begleitet uns auf dem weiteren Weg in den Süden. Mehrere Straßen der geplanten Tour sind noch immer nicht geräumt und dadurch für den Verkehr gesperrt. Das führte uns nach Gosaldo und in der Folge in die Provinz Belluno, genauer nach Sospirolo. Wiederum begeistert uns die Natur mit viel Wasser und der umliegenden Bergwelt. Der danach folgende Tourabschnitt ist dann zwar entspannt aber durchweg geprägt durch die Zerstörung des Sturmes, der am 28. Oktober 2018 Südtirol und die Gegend, hier für immer veränderte. Weiter im Süden wird es dann langsam wieder etwas besser bevor wir den Anstieg zum Monte Grappa unter die Räder nehmen. Gar nicht mal so einfach denke ich noch bei mir den richtigen Weg auf den Berg zu finden und vertraue kurzerhand nicht mehr dem Navi, sondern den Straßenschildern. In Semonzo del Grappa folgen wir der SP140 und finden damit genau den richtigen Weg hinauf. Fing der Tag schon mystisch an, so geht er genau hier in die zweite Runde über, denn je höher wir kommen, desto nebliger wird es und leider wird uns dadurch auch der Blick auf Venedig verwehrt. Nicht verwehrt hingegen wird uns allerdings auch hier diese überwältigende Natur auf dem Weg nach oben und das gespenstisch anmutende Sammelsurium an Gebäuden auf der Bergspitze. Ja die Faschisten waren fleißig in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts und was sie übrig ließen ist monumental. Allein die Treppe zum Gipfel sieht an diesem Tag schon aus wie ein direkter Weg in den Himmel.

Italien erleben und genießen
Den Himmel verfehlen wir allerdings bewusst heute und finden uns nach der Besichtigung im Bergrestaurant wieder. Italien muss man einfach mit allen Sinnen genießen und das geht am besten in kleinen Lokalen oder eben auf der Bergspitze des Monte Grappa. Einen italienischen Cappuccino und ein Croissant mit Cremefüllung später sitzen wir dann allerdings wieder auf den Bikes talwärts und freuen uns in die milderen Gefilde zurückzufahren. Doch der Tag hat anderes mit uns vor und so kommt zuerst einmal der Regen. Bevor wir dann auf dem Weg zum Gardasee erneut die Route ändern müssen, da umgestürzte Bäume die vorgesehene Straße blockieren. Bis dato dachte ich immer, gut das mein Garmin eine UMLEITUNGSFUNKTION hat! Dieses Mal allerdings zeigte es uns im wahrsten Sinne des Wortes, wo der Hammer hängt und führt uns mitten hinein ins bildliche Verderben.

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Nach dem Regen folgt der Sonnenschein
Ein paar Kilometer vor Arsiero, wir befinden uns auf dem Rückweg von der Straßensperrung, denkt mein Garmin auf einmal das es Zeit wäre links abzubiegen. Und so verlassen Hartmut und ich mit unseren beiden vollausgestatteten Straßenmaschinen die SP81. Was zu Beginn noch gut aussieht, wird aber schnell zu einer zwar landschaftlich traumhaft, aber abgelegenen Gegend im Nirvana der Berge. Auf Teer folgt leichter und immer noch befahrbarer Schotter, bevor sich die Straße in Luft auflöst und zur Endurostrecke mutiert. Mittlerweile mehrere Kilometer im Berg, entschließen wir uns weiterzufahren, vorbei an umgefallenen Bäumen, Schildern die vor Waldmaschinen im Einsatz warnen und dem guten Gefühl am Reifen, eigentlich gar kein Gefühl mehr zu haben. Bei einem weiteren Stopp stelle ich dann zudem fest, dass die CB begonnen hatte inkontinent zu werden. Ein geplatzter Kühlschlauch macht mir gerade echt Sorgen, als ich den Regenkombi versuche loszuwerden, denn hier einen ADAC zu bekommen erscheint mir mehr als fragwürdig in diesem Moment. Als denn alles jammern hilft ja nichts und so geht es mit Blick auf die Tempanzeige der Honda weiter nach oben und nach einer gefühlten Ewigkeit und mittlerweile einer Kühlertemperatur von 120 Grad erreichen wir wieder festen Boden unter den Reifen. Ja die SP92 ist wirklich eine Wohltat und von da ab geht es nicht mehr nur Straßen technisch bergauf. Nein die Honda hält gesunde 80 Grad Wassertemperatur auf den folgenden Kilometern und hinzukommt ein freundlicher Bosch Service in Serrada, der den leck gewordenen Schlauch gleich komplett austauscht und die fehlende Kühlflüssigkeit wieder ergänzt. Erleichtert und mit 30 Euro weniger in der Tasche fahren wir danach Richtung Torbole weiter, wo uns eine riesige Pizza und das eine oder andere Hefeweizen den turbulenten Tag glücklich abschließen lässt.

Zurück ist immer etwas schwerer
Neuer Tag und neues Glück beschert uns der folgende Morgen, denn der Dunst weicht flott aus dem Becken des Gardasees. Wollten wir hier ursprünglich eigentlich noch einen Tag verbringen merken wir schnell, dass uns etwas die Zeit ausgeht. Daher geht die Reise heute doch schon nordwärts hinaus aus der Stadt und über Dro und Drena hoch auf den menschenleeren Monte Bondone. Da das Refugio geschlossen hat fahren wir nach dem Fotostop weiterund landen nach einigen weiteren Kurven in Vela. Von dort steuern wir unsere Bikes über Sarnonico zum Mendelpass. Da weiterhin die meisten Pässe geschlossen sind, fällt einiges was wir vorhaben flach und wir entschließen uns den Weg zum Reschenpass einzuschlagen. Ja der Vinschgau kein echtes Highlight, aber wir haben auch hier Glück und wenig Verkehr bevor wir am frühen Abend in Pfunds im Hotel Gasthof Traube ankommen. Nach einem erneut großartigen Abendessen erwartet uns hier eine ruhige und zudem entspannende Nacht.

Und dann merkst du langsam, dass es endet
Bevor wir zum letzten Kapitel der Reise komme genießen wir zuerst einmal das Frühstück im Hotel. Der vorletzte Tag unserer Reise bringt uns noch einmal hoch hinaus. Nach Landeck folgen wir nämlich der Panoramastraße hinauf zum Alberg und dann über Krumbach, Au zurück in die lieblicheren Landschaften des Allgäu. Die steinernen Riesen verschwinden in den Spiegeln der Motorräder und weichen den sanften Hügelketten, die in saftigstem Grün vor uns erscheinen. Über Warth, Schnepfau und Sulzberg bekommen wir weite Blicke dieser traumhaften Landschaft zu sehen, bevor wir in Weilheim an der Teck zu unserem letzten Übernachtungsplatz kommen. Noch einmal gibt es ein ausgedehntes italienisch geprägtes Abendessen und das mittlerweile obligatorische Hefeweizen dazu. Die Gespräche zwischen Hartmut und mir gehen an diesem Abend über das Erlebte der letzten Tage, über die viel zu schnell verflogene Zeit, die man einfach nicht anhalten kann und natürlich über den restlichen Heimweg. Der endete am folgenden Tag nach einer kurzen aber erneut landschaftlich schönen Tour und passend zum Mittagessen in Strümpfelbrunn und dann etwas später natürlich zu Hause bei unseren Lieben.

Fazit
Ob es nun wirklich die leere Flasche Grappa, das Abenteuer Motorrad, oder aber einfach die gemeinsame Zeit mit guten Freunden ist, am Ende ist es egal was einen bewegt eine Reise zu tun. Wichtig ist, das man sich dabei auf Augenhöhe begegnet gut fühlt, dass jeder der Beteiligten genügend Zeit hat genau das zu machen, was er gerne möchte. Allerdings wird das erfahrungsgemäß schwerer je mehr Leute mitfahren. Daher war die Reise mit Hartmut, die im Übrigen unsere allererste war in vielerlei Hinsicht auch etwas ganz Besonderes. Den Monte Grappa indes habe ich definitiv nicht zum letzten Mal besucht, fehlt mir doch eindeutig noch der Blick nach Venedig und ggf. doch noch die vergessene Flasche Grappa. 🙂

In diesem Sinne #LifeisaRide

Torsten Thimm

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